Erst im November letzten jahres meine Oma, nun am Mittwoch mein Onkel. Manchmal kommt sowas schneller als man denkt und dann auch Schlag auf Schlag. Der Tot meiner Oma hat mich schon sehr getroffen, auch wenn ich darauf mehr oder weniger vorbereitet war, durch ihren Hungerstreig und der damit verbundenen... nenne ich es mal "dahinraffung".

Ich weiß allerdings nicht, wieso genau mich der Tot meines Onkels mehr oder weniger fast unberührt lies. Es ist schon ziemlich traurig, wenn ich so darüber nachdenke. Nicht nur sein tod an sich, auch, wie wenig es mich mitnahm. Ich war nahezu anteilsnahmslos, als mich mein Vater diesbezüglich anrief. War es, weil er damals spurlos vom Erdboden verschwand und ich Jahre später nur durch meine Oma und meinem Vater bruchstückhafte dinge erfuhr? Oder bin ich mittlerweile wirklich so... wie soll ich es nennen? Abgestumpft? Das klingt irgendwie so klischeehaft, ich weiß es auch nicht.

Viele in meiner Familie sind mittlerweile gegangen, ein paar auch schon als ich sehr jung war und ich noch gar nicht richtig begriff, was genau da eigentlich vor sich ging. Natürlich gehört das sterben nun mal dazu, da ist niemand die ausnahme. Aber gerade wenn zwei Familienmitglieder in so einem mehr oder weniger kurzem Zeitraum verschwinden, wird einem erst recht bewusst, wie klein diese Welt doch sein kann und wie hilflos und einsam man zum Zeitpunkt seines todes doch ist. Vollkommen gleich wie und wo man stirbt, oder wie viele von den geliebten menschen um ein herum sind.

Ich mache mir schon immer mehr und mehr Gedanken darüber, wie die Zukunft wohl aussehen mag und wer letztend endes mir noch erhalten bleibt, bevor auch ich gehe. Eigentlich sollte man sowas nicht machen und eher die Zeit mit denen erleben, die man hat. Jedoch... ist das viel weniger Zeit, die ich mit meiner Familie verbringe, als ich gerne hätte. Ich hätte schlauer sein müssen, als damals mein Opa ging und mir zum ersten Mal so richtig bewusst wurde, dass ich zu dem damaligen Zeitpunkt viel öfter hätte bei meiner Familie hätte sein können, oder vielleicht müssen?! Ich weiß es nicht.

Was ich weiß, ist, dass die Zeit immer schneller zu verrinnen scheint, je älter ich werde. Das älter werden an sich macht mir vielleicht auch deshalb Angst, und nicht nur, weil ich bisher nichts aus meinem Leben gemacht habe und bei dem Stillstand vermutlich auch nichts daraus machen werde.