Ich habe mir vergangenen Monat eine Playstation Vita (im weiteren verlauf nur noch Vita genannt) bei GameStop gekauft und war erst sehr skeptisch dem Ganzen gegenüber. Nicht nur, weil ich mehr bezahlt habe, als eingeplant war, vor allem auch weil das Teil Zerkratzt war, inklusive verkratztem Display (jaja, GameStop eben, Zigeunerpack), sondern auch, weil ich erst nach dem kauf im Zug nach Hause gemerkt habe, WIE absolut eklig und versifft die Vita dank dem Vorbesitzer und der Ignoranz der GameStop-Schergen war. Widerlich alter.

Zuhause angekommen, erstmal mit Zahnstocher, Wattestäbchen und Feuchttüchern bewaffnet, die Vita gereinigt. Da war teilweise zwischen den Ecken und Kanten etwas angetrocknet, was mich an Ohrenschmalz erinnerte, was für ein Hurensohn der vorbesitzer wohl war?!

Als ich dann fertig war (dachte ich zumindest, dazu aber gleich mehr) und die Vita auch endlich problemlos anfassen konnte, ging es dann an an das "Cracken" (sagt man das noch so?). Es stellte sich heraus dass ich mit dem Kaufdatum nicht hätte besser liegen können, denn seit ein paar Tagen gibt es ein Update von Sony, womit das Cracken aktuell nicht mehr möglich ist.

Das Ganze hat mich fast zwei Stunden gekostet, da man viele Schritte der Anleitung selbst eingeben muss. Eingabezeile hier, Tool dort, Verbindung herstellen, Dateien kopieren... Sowas eben.

...Hat sich dann aber jedenfalls für mich gelohnt. Nun kann ich sogenannte "Homebrews", also von Anderen programmierte Programme, die man nicht offizielle von Sony's Playstation Store beziehen kann, nutzen. Über kleine Plugins die neben der Akku-Anzeige einen Prozentwert anzeigen, über ganze Emulatoren, um alte Spiele spielen zu können. Natürlich kann man damit nun auch die bösen Raubkopien spielen ...hust, hust

Darüber hinaus hat man dann auch die Möglichkeit, microSD-Karten mittels Adapter benutzen zu können (ja, ganz recht... diese Adapter funktionieren nur mit einer gecrackten Vita). Sony hat da nämlich seinen eigenen Krempel miteingebracht, und da bezahlt man dann für 64GB fast hundert Euro, diese Affen.

Was mich dann aber doch nach kurzer Zeit massiv störte (also, mehr als gedacht), waren die vielen Kratzer überall. Nicht nur auf der Vorderseite, sondern auch auf der Rückseite, welche ebenso aus Glas besteht, wie die komplette Front. Die Rückseite habe ich dann relativ schnell mit Folie in Carbon-Optik überklebt, was noch einen zweiten positiven Effekt hatte, nämlich bessere Tastbarkeit (ist das überhaupt ein echtes Wort?), da die Rückseite ebenso ein Touchfeld ist.

Die Vorderseite sollte sich als Problematischer herausstellen, da nicht nur die gesamte Glasfläche mit dem Rahmen zusammengeklebt ist, nein... Auch alle inneren Bauteile werden nicht auf einer mittleren Platine oder auf der Rückseite verschraubt, sondern auf den Rahmen, welcher dann zwischen Bildschirm/Glasfront und Bauteilen liegt. ...Und jetzt finde mal ein gescheites Ersatzteil dafür, welches a) nicht überteuert ist, b) nicht aus Sonstwo-Land kommt, und c) kein Beschiss ist.

Nach ungefähr drei Tagen habe ich dann tatsächlich ein Angebot gefunden, welches (im Vergleich zu den anderen Angeboten) seriös wirkte, jedoch nur als Frontplatte und Display, ohne Rahmen. Verfickte Scheiße...
Na gut, trotzdem bestellt. Habe mich dann schlau gemacht, und hatte schon Horror-Szenarien im kopf, wie "backen" (ja, das ist kein Witz, durch das erhitzen lässt sich die Glasplatte leichter vom Rahmen lösen) und anderer Unfug. Zum Glück kam das Ganze dann DOCH mit Rahmen und so ging es dann auch schnell ans umbauen.

Vorsichtig also alles auseinander geschraubt, stellte ich sofort fest ...diese Ohrenschmalz-ähnliche "Verunreinigung" befindet sich sogar im inneren. Also wieder total angeekelt mit Reinigungsutensilien bewaffnet und alles Mögliche nochmals abgerubbelt. Da ich ohnehin alles auseinander nehmen musste, habe ich die Gelegenheit genutzt um Knöpfe und andere Elemente, die nur aus Plastik bestehen ein schönes Bad einzulassen.

Beim zusammenbau merkte ich jedoch schnell, dass die Löcher für die Schrauben des neuen Rahmens etwas enger waren, so musste ich bei fast allen Schrauben ziemlich viel Kraft (und Nerven) aufwenden, um das Ganze wieder zu einem Stück zusammen zu setzen.
Jetzt sitzen die Analogsticks etwas lockerer im Gehäuse, ist aber nicht weiter Tragisch, letztendlich habe ich es geschafft, und bei der Gelegenheit auch gleich noch eine Panzerglas-Folie angebracht.

Warum nun aber der Titel "Die (fast) tote Konsole"? ...Weil Sony selbst die Vita Markt-technisch getötet hat, lange bevor ich mir meine kaufte. Es gibt (meiner Meinung nach) kaum gute Titel die es wert sind gespielt zu werden. Es kommen zwar immer noch neue Titel auf den (digitalen) Markt, jedoch sind diese zumeist "jRPG" Titel, und wenn ich bock habe, ewig zu lesen, lese ich ein Buch. Kaum ein guter Publisher zeigt Interesse daran, seine Spiele ebenso auf die Vita zu portieren. Spiele wie Borderlands 2, Call of Duty: Black Ops Declassified und Stardew Valley sind zwar namenhafte Spiele, jedoch kann wirklich nur letzteres mit einer guten Umsetzung punkten. Schade.

Ob sich der kauf dennoch gelohnt hat? Obwohl ich die Vita überteuert gekauft hatte, das Cracken selbst für mich eine kleine Herausvorderung darstellte und der Umbau des neuen Displays übertrieben nervig war ...kann ich für mich sagen: JA!
Wer jedoch, ohne zu wissen, worauf er sich da einlässt, eine Vita kauft, wird ziemlich schnell sehr frustriert sein. Ich jedenfalls bin mit dem Endergebnis glücklich.